Preisträger
1992:
Prof. Dr. Jakob Muth
für die Integration von Menschen mit Behinderung
1994:
Prof. Dr. Hartmut von Hentig
für schulreformerische Bemühungen*
1995:
Dr. Hildegard Hamm-Brücher
für politische Bildung
1999:
Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber
S. E. Georg Kardinal Sterzinsky
für religiöse Bildung
2001:
Josef Reding
für literarische Bildung
2004:
Simon Rattle
für kulturelle Bildung
2007:
Pfarrer Kurt Weigel
für gemeinwesenorientierte Bildung
2010:
Prof. Dr. Hans-Jochen Gamm
für gesellschaftspolitische und schulkritische Engagements
Prof. Dr. Wolfgang Klafki
für bildungstheoretische und didaktische Neukonzeptionen
|
Dr. Hildegard Hamm-Brücher
erhielt den Preis in ihrer Eigenschaft als Bildungspolitikerin, die dazu beitragen hat,
dass nach Jahrzehnten der Stagnation die Bildungsreform auf die politische Tagesordnung
kam. Sie erhält den Preis als engagierte Bürgerin und Vorsitzende
der Theodor-Heuss-Stiftung, die in allen ihren Ämtern und Positionen die
Notwendigkeit dauerhafter Bemühungen um ein demokratisch verfaßtes
Schulwesen öffentlich vertreten hat.
Die
Preisträgerin wurde als Hildegard Brücher am 11. Mai 1921 in Essen
/ Ruhr geboren. Da sie im Alter von 10 Jahren ihre Eltern verlor, wuchs sie
mit ihren vier Geschwistern bei der Großmutter in Dresden auf. Sie ging
dort und in Berlin zur Schule und kam 1937 ins Internat Schloß Salem/Bodensee.
Nach dem Abitur in Konstanz 1939 studierte sie an der Münchner Universität
Chemie und promovierte dort 1945.
1943 war die Großmutter, eine Halbjüdin, durch Freitod aus dem Leben geschieden,
als ihre Deportation nach Theresienstadt bevorstand. Um ihre jüngeren Geschwister
unterstützen zu können, arbeitete Hildegard Hamm-Brücher 1945
bis 1948 als wissenschaftliche Redakteurin bei der "Neuen Zeitung"
in München. Als sie 1946 Theodor Heuss interviewte, machte er ihr Mut,
Politikerin zu werden. Sie wurde 1948 Mitglied der FDP und vertrat von 1948
bis 1954 ihre Partei im Münchner Stadtrat. In das Jahr 1954 fällt
auch ihre Eheschließung mit Dr. Erwin Hamm.
Von 1950 bis 1966 gehörte sie dem Bayrischen Landtag an, wo sie wegen ihrer
betont liberalen Vorstellungen zur Bildungspolitik sowohl mit dem damaligen
Kulturminister als auch mit Parteifreunden in Konfrontation geriet.
Von 1963 bis 1976 war Hildegard Hamm-Brücher, trotz des Widerstands ihrer Parteifreunde,
erstmals Mitglied des Bundesvorstands der FDP, ab 1972 auch des Bundespräsidiums.
In diesen Jahren setzte sie sich immer wieder mit verschiedenen Schul- und Erziehungssystemen
auseinander. Die Bildungspolitik war auch in der Parteiarbeit ihr Thema; weithin
Beachtung fand ihr entschiedenes Eintreten für die Gemeinschaftsschule
und ihre Initiative um die Beseitigung des Schulstresses.
Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bayerischen Landtag 1966 wurde Frau Hamm-Brücher
1967 Staatssekretärin im Hessischen Kultusministerium für Bildung und Wissenschaft in Bonn.
1970 hatte ihr die bayerische FDP den Wiedereinzug in den Bayerischen Landtag entscheidend
zu verdanken; nachdem sie von Ihrem Bonner Amt zurückgetreten war, wurde
sie 1972 Fraktionsvorsitzende der FDP im Münchner Landtag.
Im Jahr 1976 wurde Hildegard Hamm-Brücher in den Bundestag gewählt und
übernahm das Amt einer parlamentarischen Staatssekretärin mit dem
Titel "Staatsminister" im Auswärtigen Amt. In dieser Eigenschaft
war sie vor allem für kulturelle Beziehungen zuständig und unternahm
für diese Aufgabe zahlreiche Auslandsreisen. Bei Auseinanderbrechen der
sozialliberalen Koalition 1982 schied sie aus der Regierung aus und trat auch
in der Partei zeitweilig ins zweite Glied.
1987
zog sie erneut in den Bundestag ein, wurde außenpolitische Sprecherin
ihrer Partei, erklärte aber bereits 1989, dass sie sich 1991 aus der aktiven
Politik zurückziehen und keine politisch/parlamentarischen Ämter mehr
annehmen wolle. Eine letzte große Bühne wuchs Frau Hamm-Brücher
1994 zu als Bundespräsidentschaftskandidatin der FDP.
Ein breites und interessantes Betätigungsfeld, neben zahlreichen Ämtern
und Mitgliedschaften in anderen Gremien und Organisationen, stellt seit der
Gründung 1963 die von ihr initiierte Theodor-Heuss-Stiftung dar, deren
Vorsitz Dr. Hildegard Hamm-Brücher innehat.
|