Preisträger
1992:
Prof. Dr. Jakob Muth
für die Integration von Menschen mit Behinderung
1994:
Prof. Dr. Hartmut von Hentig
für schulreformerische Bemühungen*
1995:
Dr. Hildegard Hamm-Brücher
für politische Bildung
1999:
Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber
S. E. Georg Kardinal Sterzinsky
für religiöse Bildung
2001:
Josef Reding
für literarische Bildung
2004:
Simon Rattle
für kulturelle Bildung
2007:
Pfarrer Kurt Weigel
für gemeinwesenorientierte Bildung
2010:
Prof. Dr. Hans-Jochen Gamm
für gesellschaftspolitische und schulkritische Engagements
Prof. Dr. Wolfgang Klafki
für bildungstheoretische und didaktische Neukonzeptionen
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Prof. Dr. Hartmut von Hentig
erhielt den Preis als Gründer und langjähriger Wissenschaftlicher Leiter der
Bielefelder Laborschule und des Oberstufen-Kollegs, der der Schulreform entscheidende
Impulse gegeben hat. Er hat durch sein beispielhaftes Engagement die Möglichkeit
einer Humanisierung des schulischen Lebens scharfsinnig analysiert und mit Leidenschaft
in der Öffentlichkeit vertreten. Und schließlich macht er auch als
Kinderbuchautor auf sich aufmerksam, dem nichts eine größere Verpflichtung
ist als - seine Liebe zu Kindern.
Hartmut von Hentig, geboren 1925 in Posen, verbrachte einen großen Teil seiner
Kindheit im Ausland - unter anderem in San Francisco, Bogotà und Amsterdam.
Von 1937 an besuchte er das Französische Gymnasium in Berlin, wo er 1943
das Abitur machte. Nach dem Kriegsende und halbjähriger Gefangenschaft
studierte er in Göttingen und in den USA klassische Philologie. 1952 wurde
er an der University of Chicago mit einer Arbeit über Thukydides promoviert.
Nach zehnjähriger Tätigkeit als Lehrer am Landeserziehungsheim Birklehof
und an einem Tübinger Gymnasium wurde er 1963 auf den Lehrstuhl von Herman
Nohl an die Universität Göttingen berufen. 1968 folgte er einem Ruf
an die Universität Bielefeld. Dort gründete er zwei zur Universität
gehörende Versuchsschulen, das Oberstufen-Kolleg und die Laborschule, deren
Wissenschaftlicher Leiter er bis zu seiner Emeritierung im Herbst 1987 war.
Mit der Verleihung des Comenius-Preises soll insbesondere gewürdigt werden,
dass Hartmut von Hentig seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten einfallsreich
und unbeirrbar dafür eingetreten ist, die Schule so zu verändern,
- dass sie den Bedürfnissen "heutiger Menschenkinder" gerecht wird
und für sie zu mehr als einer Unterrichtsanstalt, nämlich zu einem
"Lernort" werden kann, der zugleich "Lebens- und Erfahrungsraum" ist,
- dass sie ihren Schülerinnen und Schülern hilft, zu aufgeklärten
mündigen Erwachsenen heranzuwachsen, die den Mut besitzen, sich ihres eigenen
Verstandes ohne Bevormundung durch einen anderen zu bedienen (er hat diese Aufgabe
der Schule in der einprägsamen Formel "Die Menschen stärken,
die Sachen klären" zusammengefaßt,
- dass diese Schule als ein demokratisch geordnetes Gemeinwesen im Kleinen ihre
Schüler und Schülerinnen wirkungsvoll auf ihre Mitverantwortung für
die Gesellschaft vorbereitet, deren heranwachsende Bürger sie sind.
Dieses "Programm" hat Hartmut von Hentig in vielen Büchern und Aufsätzen
an immer neuen Einzelfragen - von der Philosophie und den alten Sprachen über
die Ästhetik bis zu Fragen der internationalen Verständigung oder
der religiösen Erziehung, aber auch bis zu ganz praktischen unterrichtsmethodischen
Problemen - entfaltet und konkretisiert.
Er hat dafür in zahllosen Beratungsgremien auch bildungspolitische Entscheidungen
in diesem Sinne zu beeinflussen versucht. Er hat es aber nicht bei theoretischen
Forderungen bewenden lassen, sondern durch die Gründung von zwei Schulen,
die mittlerweile einen internationalen Ruf haben, unter Beweis gestellt, wie
dieses "Programm" verwirklicht werden kann*.
* Der Preis wurde ihm wegen seiner Verstrickungen in den Missbrauchsskandal in der Odenwaldschule, aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Kuratoriums sowie des Vorsitzenden, am 18.10.2011 aberkannt.
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