Preisträger
1992:
Prof. Dr. Jakob Muth
für die Integration von Menschen mit Behinderung
1994:
Prof. Dr. Hartmut von Hentig
für schulreformerische Bemühungen*
1995:
Dr. Hildegard Hamm-Brücher
für politische Bildung
1999:
Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber
S. E. Georg Kardinal Sterzinsky
für religiöse Bildung
2001:
Josef Reding
für literarische Bildung
2004:
Simon Rattle
für kulturelle Bildung
2007:
Pfarrer Kurt Weigel
für gemeinwesenorientierte Bildung
2010:
Prof. Dr. Hans-Jochen Gamm
für gesellschaftspolitische und schulkritische Engagements
Prof. Dr. Wolfgang Klafki
für bildungstheoretische und didaktische Neukonzeptionen
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Josef Reding
erhielt den Preis, da er seit Beginn seines literarischen Schaffens nicht nur die literarische
Bildung junger Menschen im Auge gehabt und deshalb der Bildung durch Literatur
entscheidende Impulse gegeben, sondern darüber hinaus auch sein persönliches
Leben an eben diesen literarischen Maßstäben ausgerichtet hat.
Darüber hinaus erhielt der Schriftsteller Josef Reding anlässlich seines 80. Geburtstages
am 20. März 2009 den mit 5.000 € dotierten Ehrenpreis der J.A. Comenius-Stiftung.
Reding wurde am 20. März 1929 in Castrop-Rauxel geboren. Als 16jähriger
im Kriseneinsatz. Studium der Psychologie, Kunstgeschichte, Anglistik und Germanistik
in Deutschland und USA. Mitarbeit in der Bürgerrechtsbewegung Martin Luther
Kings in Harlem und New Orleans. Ein Jahr im Lager Friedland. Drei Jahre in
den Lepragebieten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Mitglied der Synode der
Bistümer der Bundesrepublik.
Josef Reding - ein solidarischer Solitär
Manche meinen, das gehe nicht zusammen: Die gute Literatur und die graue Arbeitswelt.
Josef Reding zeigt, dass es doch geht - sehr gut sogar. Solange er schreibt
- und das ist mehr als ein halbes Jahrhundert - beweist er, wie man aus dem
Leben der kleinen Leute und aus den Dingen des Alltags literarische Funken schlagen
kann - und erst recht aus Geschichte und Gegenwart von Region und Heimat.
Arbeit und Leben von Josef Redings stehen aber noch für etwas anderes: Sie stehen
dafür, dass der Schriftsteller als Einzelgänger und als Kollege, dass
der Solitär und die Solidarität keine Gegensätze sind, sondern
bisweilen sehr notwendige Ergänzungen. Als Gewerkschafter und als Christ
hat Josef Reding immer "die Zustände beim Namen genannt", und
doch ist sein Werk frei von Gesinnungsprosa und erst recht von Bekenntnislyrik.
Reding überzeugt durch die Geschichten, die er erzählt. Sie sind Literatur
im besten Sinne, weil sie uns anrühren und nachdenklich machen; weil sie
unseren Sinn für die Wirklichkeit schärfen und uns reicher machen
in dem Gespür für die Möglichkeiten, die wir haben.
Josef Reding ist ein Meister der short story. Nicht selten Exotisches, dann wieder
Vertrautes spiegelt sich darin - die Weite der Welt der Kontinente Amerika,
Afrika und Asien, aber auch die Nähe der Heimat, des westfälischen
Ruhrgebiets, das er beschreibt, wie es war und wie es ist.
Meist sind es die Menschen im Schatten, die Josef Reding interessieren. Er erzählt
von ihnen, einfühlsam, doch nie sentimental; nüchtern, aber nie ohne
eine Spur von Hoffnung und immer mit leisem Humor. Am liebsten sind mir seine
Kindergeschichten: "Jerry in Harlem" beispielsweise oder "Noch
eine Wundertüte gratis".
Diese Geschichten berühren gerade auch uns Erwachsene. Sie zeigen in unaufdringlicher
Weise, wieviel Lebensklugheit in der Unbefangenheit liegt; und sie zeigen, dass
man Vertrauen haben kann, vielleicht nicht darauf, dass die Welt heil ist, aber
darauf, dass sie schön ist und vor allem verbesserungsfähig, wie Josef
Reding einmal gesagt hat.
Johannes Rau
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